Montag, 18. Mai 2020

Entspannen auf Knopfdruck

Ich ziehe meinen Hut vor dem Menschen, der während der gesamten Arbeitszeit - langfristig! - immer 100 % geben kann und dann auch noch schafft, dass das Privatleben eine ebenso große Aufmerksamkeit genießt. Ich ziehe meinen Hut, weil ich der festen Überzeugung bin, dass dies unmöglich ist. Unmöglich, wenn man in festen Standards denkt: 39 Stundenwoche, 5 Tage, Pausen gem. gesetzlicher Vorschriften - ENTSPANNEN auf Knopfdruck.

Der menschliche Organismus kann vier bis sechs Stunden konzentriert bleiben. Bei der oben genannten Wochenstundenarbeitszeit komme ich bereits auf durchschnittlich 7,8 Stunden am Tag: zu viel.

Das Argument, dass dazwischen ja eine Mittagspause ist, die das Konzentrationsbarometer wieder nullt, lasse ich nicht gelten. Denn das würde bedeuten, dass ich mit dem Gong zur Mittagspause, augenblicklich abschalten kann und anfange, mich zu entspannen.

Ich kann das nicht!
Jeder Organismus funktioniert unterschiedlich. Nicht umsonst gibt es auch die Klassifizierung in Eulen und Lerchen, was die Leistungserbringung zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten anbelangt. Doch in unserer Gesellschaft finden diese wissenschaftlich belegten Kriterien kaum Anklang. Die Schulen beginnen um zehn vor acht, die Arbeit zu festgelegten Öffnungszeiten und bei vielen Branchen im Schichtwechsel. Dort, wo es mit am wichtigsten ist, konzentriert zu bleiben, leiden die Ärzte/Krankenschwestern und Co. unter Schlafmangel. Denn auch hier sagt die Theorie, dass es Erholungsphasen gibt - aber, wer schafft es denn, nach einer aufregenden und vielleicht emotional belastenden Situation gleich in den Schlaf zu gleiten?

Es fehlt der Blick auf das Individuum...
und plötzlich kommt Corona.


  • Plötzlich funktioniert Home-Office in Branchen, bei denen dies zuvor undenkbar gewesen war.
  • Plötzlich kann man auf die Situationen von Eltern besser eingehen. 
  • Plötzlich zeigt sich die Flexibilität auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.

"Alle sagten das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht." (Unbekannt)

Ich stelle mir häufig die Frage nach Effizienz und Fairness.
So habe ich zum Beispiel beobachtet, dass wenn man sagt "Hey, heute musst du 50 Briefe an Kunden schreiben und verschicken, danach kannst du Feierabend machen" dazu führt, dass die Person plötzlich bereits zum frühen Nachmittag fertig ist, statt den ganzen Tag zu den festgelegten Zeiten mit der Aufgabe zu verbringen.

Natürlich ist das nicht auf jede Branche anwendbar, aber dann wähle ich doch lieber Option 1:
Aufgabe erledigen - Freizeit,
als Option 2: kein Unterschied, wie schnell oder gut man ist - man muss trotzdem bis zum festgelegten Feierabend auf der Arbeitsstelle verweilen.

Ich finde, dass es jetzt an der Zeit ist, diese Standards zu verändern.  #thinkoutsidethebox


Ebenso auch das Thema "HomeOffice" bzw. "Work-Life-Balance"
Man kann diese Möglichkeit doch super nutzen, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten oder den Haushalt zu machen. Einfach mal als Ablenkung die Waschmaschine angestellt und ausgeräumt. Durch die monotone und bekannte Tätigkeit, kann man hier besser entspannen. Oder man lässt sich einfach ins eigene Bett fallen und macht ein kurzes Power-Nap.

Diese Flexibilität hat es zuvor in kaum einem Unternehmen gegeben. Natürlich setzt dies ein funktionierendes System voraus - nicht nur technisch, sondern auch menschlich. All das lädt dazu ein, einen Missbrauch zu betreiben und für sich das Beste rauszuholen. Vermutlich ist das der Grund, dass die Optionen "Home-Office", "flexibles Arbeitszeitenmodell" und Co. nur wenig in der Praxis angewendet wurden.

Die Frage ist, nach welchen Menschen richte ich mich aus? "Bestrafe" ich die Fleißigen, um die "Faulen" besser kontrollieren zu können oder lege ich meinen Fokus auf die Belohnung?

Natürlich erfordert das ein Höchstmaß an guter Personalführung und Organisation.
Aber jede Herausforderung, der man erfolgreich begegnet ist, macht einen stärker.
Man lernt dazu, entwickelt sich weiter.

Es ist in Ordnung und menschlich, nicht immer produktiv zu sein; sich mal eine Auszeit zu gönnen und einfach nichts zu tun.

Statt also ständig den Stress zu bekämpfen, der nur ein Symptom darstellt, könnte man nun aus den festgelegten Standards ausbrechen und sich die Ursache vorknüpfen.

Wie denkt ihr darüber?




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